Folge vom 21.08.2026 – Sachsens Händler verzweifeln an neuen EU-Regeln

Shownotes

Seit einigen Tagen müssen auch sächsische Online-Händler eine neue EU-Verordnung einhalten, die Verpackungsmüll reduzieren und Recycling fördern soll. Die Regeln sind allerdings so kompliziert geraten, dass viele Händler an der Bürokratie verzweifeln und hohe Extra-Kosten scheuen. Die Folgen: Händler stoppen den Versand ins Ausland und Kunden in Sachsen können bei vielen Online-Shops in anderen Ländern ebenfalls nichts mehr bestellen.

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00:00:01: Willkommen zu einem Spezial, das alle interessieren dürfte die gerne mal online einkaufen.

00:00:13: Es geht nämlich um den europäischen Onlinehandel, um die Verpackungen in denen die Händler ihre Waren verschicken und um eine neue Verpackungsverordnung der Europäischen Union Die gerade die Geschäfte vieler Händlern durchkreuzt vor allem die der eher kleinen Händlers Weil diese neuen Vorgaben aus Brüssel nämlich richtig Geld kosten und zudem noch einen wahnsinnig großen bürokratischen Aufwand bedeuten.

00:00:36: Die Ausgangslage!

00:00:38: Der Müll produziert, in diesem Fall also Verpackungsmüll.

00:00:40: Der soll dafür sorgen dass der auch ordentlich entsorgt wird und im besten fall wiederverwertet wird.

00:00:46: Das ist nichts Neues das ist doch gut so und solche Regelungen gibt es schon lange sagt Nino Röhren von der einmal eins Japan GmbH aus Dresden.

00:00:54: Die Regelung in der Art hat es schon immer gegeben und auch wir müssen jetzt schon.

00:00:57: wenn wir Paketen Deutschland verschicken müssen wir auch für die Entsorgung aufkommen.

00:01:00: das machen wir jetzt auch schon.

00:01:02: dass wir sagen, wie viel Pappen haben wir produziert?

00:01:03: Wie viel haben wir im Umlauf gebracht?

00:01:05: und dafür zahlen wir heute einen grünen Punkt oder ein wenig immer für die Plastik.

00:01:08: Die

00:01:09: neue EU-Verordnung, die seit gut einer Woche gilt macht den Umgang mit alten Verpackungen nun aber so kompliziert und teuer das viele Händler die Reißleine ziehen und keine Waren mehr in andere EU Länder verschicken Denn sie müssen sich dort mit den jeweiligen nationalen Verpackungsvorschriften beschäftigen, sich in ein nationales Herstellerregister eintragen die Entsorgungskosten übernehmen und – sofern Sie keine eigene Niederlassung vor Ort haben – einen Bevollmächtigten dafür benennen.

00:01:37: Moritz John ist bei der IHK Leipzig Abteilungsleiter für Wirtschafts- und Bildungspolitik und er sagt

00:01:43: Sie müssen immer darstellen für ihre Verpackung, wie ist die Materialzusammensetzung?

00:01:47: Werden Schadstoffgrenzwerte eingehalten.

00:01:50: Ist die Verpackungsrecycling fähig?

00:01:52: Das ist die große neue Vorgabe, die sozusagen den Erzeugern gemacht wird.

00:01:56: Die Hersteller wiederum sind wir nicht ganz klar wer im Prozess wann Herrschler und Erzeuger ist.

00:02:02: aber die Hersteler das heißt die Grundproduzenten der Verpackungen Die müssen sozusagen Verpackungsregister sich registrieren lassen und die Kosten an den Verpackung abverenstalten.

00:02:12: Da müssen sie sich beteiligen.

00:02:13: Schon bei der Frage, was der Unterschied ist zwischen einem Hersteller und einem Erzeuger dürfte jeder komplett überfordert sein, der nicht sehr tief drinsteckt in diesem Thema?

00:02:22: Und dann kommt noch hinzu das ein Händler, der einen Karton in der Regel ja nicht selbst herstellt nach EU-Recht zum Erzeugern oder zum Herstellern wird – wer weiß es schon so genau?

00:02:32: -, wenn er einen Aufkleber anbringt Zug lebt mit einem Paketband, auf dem sein Firmlogo zu sehen ist.

00:02:39: Sobald sie quasi eine ich nenne es mal nackte Verpackung auf irgendeine Art und Weise individualisieren eben ein Label drauf machen ihren Stempel irgendwas von ihrer Firma dort individuell drauf labeln ändert sich ihre Rolle im Prozess Und sie werden dann zum Erzeuger in dem Fall und haben dann eben die neuen Pflichten, die der Erzeugers hat.

00:02:59: Nämlich diese Konformitätsbewertung abzugeben und das Verfahren zu starten.

00:03:04: Genau das ist eben die Unsicherheit, die die Unternehmen haben.

00:03:07: Das heißt Sie wissen nicht was darf ich jetzt mit der Verpackung machen?

00:03:11: Welche Pflichte kommen dann auf mich zu?

00:03:13: Wer als Hersteller, wer als Erzeugern, wer hat welche Pflichtin?

00:03:17: Dementsprechend sehen sich die Akteure in der Wirtschaft da großen Unsicherheiten ausgesetzt.

00:03:22: Das gilt auch für Nino Rörm, der Kochboxen mit japanischen Lebensmitteln verschickt – bisher auch in mehrere andere EU-Länder.

00:03:30: Sein bürokratischer Aufwand rund um den Versand ist mit der neuen Verordnung nun deutlich umfangreicher geworden und das auf einem Markt, der ja eigentlich den freien Warenverkehr gewährleisten soll!

00:03:41: Wir haben irgendwie einen europäischen Binnenmarkt, müssen uns aber für Verpackungen im jedem einzelnen Land jetzt registrieren, müssen dafür immer ein kostenpflichtigen Bevollmächtigten bestellen Und das Ganze dann anschließend auch national melden, wie viel Pappen wir denn dort hinschicken werden oder wieviel Mühe wir dort produzieren werden.

00:03:57: Selbst wenn wir dort nur sehr wenige Bestellungen im Jahr

00:04:00: haben.".

00:04:00: Dieser Aufwand, den ein Händler im Extremfalljahr sechsundzwanzigmal betreiben müsste – Wenn er Kunden in allen anderen sechsund zwanzig EU-Ländern hätte, der ist für viele einfach zu groß und auch zu teuer!

00:04:12: Denn die Registrierung kostet jedes Mal Geld und Nerven weil man sich ja erst einmal damit beschäftigen muss welche Verpackungsvorschriften im jeweiligen Land gelten.

00:04:21: Und der Bevollmächtigte, der kassiert auch für seine Dienste.

00:04:24: Von deren Nutzen ist Nino Röhr allerdings nicht so überzeugt.

00:04:27: Was ist ein Bevollmechtigter?

00:04:28: Ein Bevollmächtiger ist im Zweifel erst mal einen Anwalt in dem Land, der dafür bevollmächigt ist dass er Post annehmen kann von der nationalen Entsorgungsstelle und der will natürlich dafür das Erbevollmächte ist auch Geld bekommen und davon reden wir dann schnell, dass er sagt eine Pauschale drei Hundert Euro im Jahr und dafür ist erstmal noch nichts passiert außer dass der erstmal sagt okay ich steh nur für dich da, dass die Post ankommt, die ich dir dann eh nur weiter leite.

00:04:50: Und die dreihundert Euro werden Jahr für Jahr fällig, egal ob man nur einen Kunden in dem Land hat oder ein hunderttausend.

00:04:58: Händler, die tatsächlich nur wenige Pakete ins EU-Ausland verschicken, können diese Kosten kaum wieder reinholen – da wäre es fast schon billiger sich einfach selbst ins Auto zu setzen und eine Bestellung ohne Verpackung persönlich beim Kunden im Ausland abzuliefern!

00:05:13: Und neue Märkte im Auslands erschließen?

00:05:16: Das werden sich viele kleine Händler auch nicht trauen, wenn sie erst einmal den Bevollmächtigten bezahlen müssen ohne zu wissen wie die Geschäfte in dem anderen dann laufen werden.

00:05:25: Der erste Wunsch von Nino Rörr ist deshalb diese Bevoll mächtigten wieder abzuschaffen und so schon mal einen erheblichen Teil der Kosten zu reduzieren.

00:05:33: Sein zweiter Wunsch klare Regeln, die man auch tatsächlich erfüllen kann – etwa bei den Grenzwerten für bestimmte Chemikalien in seinen Verpackungen.

00:05:42: Und seit dem twelften August müssen bestimmte Grenzwerte bei Lebensmittelfarpakungen eingehalten werden.

00:05:47: Gleichzeitig schreibt die EU-Kommission selbst, dass es dafür noch gar kein harmonisiertes europäisches Prüfverfahren gibt.

00:05:54: Wir müssen das jetzt einhalten und die EU selbst sagt wir wissen noch gar nicht wie wir das machen

00:05:58: wollen.".

00:05:58: Und weil das alles so kompliziert ist haben viele Händler den Versand in andere EU Länder nun erst einmal eingestellt.

00:06:04: Nino Rörr würde seine Kochboxen natürlich auch gern weiterhin an Kunden in anderen Länder verschicken, muss sich neben dem finanziellen und zeitlichen Aufwand aber auch noch damit auseinandersetzen dass es trotz EU-Verordnung in vielen Ländern noch gar keine klaren Regelungen dazu gibt.

00:06:20: Beispiel Tschechien!

00:06:21: Dort ist noch aktuell die Gesetzgebung am Laufen.

00:06:23: Die wissen doch gar nicht wie's aussehen soll und wer alles dann verpflichtet sein soll.

00:06:27: Das selbe Problem haben wir zum Beispiel auch in Italien.

00:06:29: Da heißt es frühestens zwanzig, achtundzwanzig.

00:06:31: haben wir ein nationales Register oder ein internationales Register wo sich registriert werden kann.

00:06:35: so müssen wir also für jedes Land einzeln schauen.

00:06:37: manche Länder sind weiter manchen nicht soweit.

00:06:38: das sind leicht.

00:06:39: fünfzehn Stunden in einer Woche die da drauf gehen um irgendwie zu schauen ja wie sollen wir das denn jetzt in den jeweiligen Ländern verkaufen?

00:06:44: In der Vergangenheit hat Rörr seine Pakete in nahezu jedes EU-Land verschickt.

00:06:49: dass wird er vorerst so nicht mehr machen können.

00:06:51: Wir können eigentlich noch aktiv sein in Österreich, Italien, Polen, Tschechien Wo wir das jetzt Thema angehen, selbst bei Polen und Tschechien schon.

00:06:59: auch die eigentliche Frage ist.

00:07:00: Lohnt sich das überhaupt so gut?

00:07:02: Sind die Verkäufer dort noch nicht?

00:07:03: dort spekulieren wir daraus dass wir größer werden und hoffen natürlich, dass sich das rechnet.

00:07:06: aber ob sich das machen wird, ist nochmal eine ganz andere Frage.

00:07:09: alle anderen Länder müssen wir schlicht und ergreifend ausschließen.

00:07:11: umgekehrt gilt es natürlich genauso.

00:07:13: sag Morition von der IHK Leipzig.

00:07:16: auch potenzielle Käufer hier bei uns in Sachsen können jetzt plötzlich in die Röhre gucken, wenn sie bei einem Händler in einem anderen EU-Land etwas bestellen wollen was Sie dort bisher problemlos bestellen könnten.

00:07:27: Das kann genau so passieren.

00:07:28: richtig dass dann irgendwie die E-Mail kommt.

00:07:30: es ist leider uns nicht möglich aufgrund der aktuellen Rechtsunsicherheit Ihnen das Produkt jetzt zu schicken.

00:07:34: das kann genauso eben auch andersrum passieren.

00:07:36: dann Verbraucher treffen das bestimmte Produkte die er möchte eben nicht erhältlich sind.

00:07:40: Die Rechtsunsichheit ist mit das größte Problem Neben den Kosten natürlich und dem bürokratischen Aufwand.

00:07:48: Denn an vielen Stellen ist derzeit einfach nicht klar, welche Regeln tatsächlich gelten.

00:07:53: Das macht doppelt fatal weil wenn die Akteure nicht wissen was genau die Anforderungen sind dann bewegen sie dieser Rechtsunsicherheit schrecken komplett vor Wirtschaftsaktivitäten zurück indem Sie eben nicht mehr ihre Ware ins Ausland verschicken

00:08:08: Und so?

00:08:08: Dann auf Kunden und auf Umsatz verzichten.

00:08:12: Bei der EU ist inzwischen angekommen, dass die Verordnung in der jetzigen Form ziemlich amurks ist.

00:08:17: Denn einem Interview mit einem hochrangigen EU-Beamten war sogar zu lesen, das man dazu redet, die Vorschrift erst einmal zu ignorieren!

00:08:24: Das allerdings würde Morition den Händlern in Sachsen nicht empfehlen.

00:08:28: Genau das ist ja was für Unternehmen die große Schwierigkeit darstellt, nämlich Rechtsunsicherheit.

00:08:33: Das heißt wenn wir das sagen würden ja ignoriere eine Rechtsvorschrift dann würden wir dem falsche Beratung angedeihen lassen denn man weiß ja nicht wie die jeweiligen Kontrollbehörden nach geltender Rechtslage kontrollieren.

00:08:47: Es gibt Bußgelder, die im Raum stehen.

00:08:49: Wenn man sich nicht in eine Verpackungsverordnung hält und natürlich ist es völlig klar, dass unsere Nebenvor- diesen Bußgeldern zurückstrecken Angst haben.

00:08:55: also wenn sie dann kontrollieren und erwischt werden das sie daran gehalten haben Dann können Sie ja nicht auf sich berufen Ja mir wurde gesagt ich soll mich nicht dran halten.

00:09:03: Lösungen?

00:09:04: Gibt es!

00:09:05: Dazu muss die EU aber natürlich noch einmal ran und Ordnung in ihre Verordnung bringen

00:09:10: Dass man statt dieser vielen kleinen Detailpflichten und Regulierungen wirklich weniger und klare Kernregeln formuliert.

00:09:17: Da wäre jetzt unser Probeansatz, dass man erst mal nur am Anfang der Herrschelungskette beginnt und die Pflichte den Produzenten auflegt wenn man an Kartonage denkt dort wo sozusagen diese Kartons produziert werden Ja und natürlich auch, dass man praktikable Bagatellgrenzer schafft.

00:09:34: Also insbesondere kleine Unternehmer müssen da geschützt werden.

00:09:37: wenn man jetzt als Buchhändler nur zwei Bücher im Jahr oder im Monat oder wie auch immer ins Ausland verschickt das man dort für kleine Unternehmere Ausnahmregelungen geschafft.

00:09:46: Zudem schlägt John ein einheitliches europäisches Register vor indem er sich einmal anmeldet und zwar für alle siebenundzwanzig EU-Länder gemeinsam.

00:09:55: Der Dresdner Händler Nino Rörr sieht das ähnlich.

00:09:57: Bei Steuerzahlungen funktioniert das ja auch, sagt

00:10:03: er.

00:10:16: Wir alle sind zufrieden und dann können auch wieder EU-Binnenmarkt machen, so wie es sein soll.

00:10:29: Der Hilferuf der Wirtschaft ist in Brüssel angekommen.

00:10:32: Schon im letzten Dezember – also lange schon bevor die eigene Verordnung angewendet werden musste – hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, die Pflicht zur Benennung eines Bevollmächtigten auszusetzen.

00:10:42: Passiert ist danach allerdings nichts!

00:10:45: Jetzt hofft Morrezion von der IRK leidzig das wirklich bald auch Taten folgen...

00:10:49: Ich nehme wahr, dass es sehr viel Druck aus allen europäischen Ländern ergibt auf die EU-Kommission.

00:10:54: Wie lange man jetzt dafür brauchen wird dort nochmal umfassend anzupacken in der Verordnung kann ich nicht

00:10:59: proklusivieren.".

00:11:00: Klar ist – Die Verordnung können nur mit Zustimmung des Europaparlaments und der Mitgliedstaaten verändert werden.

00:11:06: Eine Lösung wird also vermutlich eher eine Frage von Monaten als von Tagen oder Wochen sein.

00:11:19: Dieser Radio-PSR Original Podcast ist eine Produktion von RegioCast, deutsches Radiounternehmen.

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